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Ian McEwan




Literatur im Nebel freut sich sehr am 27./28.9.14 mit Ian McEwan eine der berühmtesten englischsprachigen Autoren in Heidenreichstein im nördlichen Waldviertel begrüßen zu dürfen. Das vielfältige Werk des großartigen Erzählers Ian McEwan zeichnet sich durch singuläre stilistische Präzision aus. McEwan lotet die komplexen Beziehungen zwischen Macht und Unterwerfung im zwischenmenschlichen wie im politischen mit Lust und enormem Wissen über die psychischen Grundmuster menschlichen Verhaltens aus und beherrscht die Kunst, sie gänzlich neu zu erzählen.

Ian McEwan wurde am 21. Juni 1948 in Aldershot, England, geboren. Aufgrund der Versetzungen seines Vaters, eines Berufssoldaten, wuchs Ian McEwan zu einem Teil in Asien, unter anderem in Singapur, und in Libyen auf.

Im Alter von 12 Jahren kehrte er mit seiner Familie nach England zurück.

McEwan studierte Englische Literatur an der University of Sussex in Brighton und erhielt 1970 den Bachelor of Arts. Sein weiterführendes Studium für den Master of Arts führte ihn an die University of East Anglia in Norwich. Bereits zu der Zeit setzte sich McEwan mit dem Gedanken an eine Schriftstellerkarriere auseinander und besuchte Kurse in creative writing bei den Autoren Malcolm Bradbury und Angus Wilson, Pioniere auf diesem Feld. McEwan unterrichtete später selber an der University of Sussex.

Mit seiner ersten Kurzgeschichtensammlung Erste Liebe, letzte Riten (1975) gelangte er sofort in den Fokus auch der internationalen Kritik und gewann den Somerset Maugham Award. Seitdem lebt Ian McEwan als freier Schriftsteller.

Sein Werk wurde und wird im Laufe seiner Karriere international gefeiert und mit nahezu allen bedeutenden Preisen für englischsprachige Literatur ausgezeichnet.

McEwan war alleine zweimal für den Man Booker International Prize und sechs Mal für den Man Booker nominiert, den er 1998 für seinen Roman Amsterdam schlussendlich auch erhalten hat.

Im Alter von 30 Jahren veröffentlichte McEwan seine zweite Kurzgeschichtensammlung Zwischen den Laken, die sofort die Bestsellerliste der Sunday Times stürmte. Sein Debütroman Der Zementgarten (1978) wurde zum internationalen Bestseller. Die groteske Studie über vier verwaiste Kinder in einer Ausnahmesituation, psychologisch genau und eindringlich beschrieben, wurde 1993 mit Charlotte Gainsbourg verfilmt, genauso Der Trost von Fremden (1981) mit Helen Mirren. Diese beiden makabren Geschichten wurden durch die alptraumhafte Beschreibung einer Kindsentführung abgelöst: Ein Kind zur Zeit (1987). McEwan positioniert sich in diesem Roman nicht nur weiterhin als unglaublich präziser, stilistisch perfekter und psychologisch analytischer Kopf, sondern auch als Systemkritiker der englischen Gesellschaft und Politik. Unschuldige (1990), Schwarze Hunde (1992) und Abbitte (2001) verarbeiten historische Ausschnitte des 2. Weltkriegs und stellen sie in einen privaten Kontext, genauso wie das Kinderbuch Rose Blanche (1985). Abbitte wurde höchst erfolgreich mit Keira Knightley und James McAvoy in den Hauptrollen verfilmt, das Time Magazin kürte ihn zum besten Roman des Jahres 2002.

Das mit dem Booker Prize ausgezeichnete Buch Amsterdam (1998) erzählt im Stile einer amüsanten Gesellschaftssatire von Selbsttäuschung und den Lebenslügen der 68er Generation, die zur Weltverbesserung angetreten ist und sich vom Establishment vereinnahmen ließ.

Mit Saturday (2005) experimentiert McEwan formal: Der Roman spielt an einem einzigen Tag im Leben des Neurochirurgen Henry Perowne. Um diesem Berufsbild gerecht zu werden, hospitierte McEwan über zwei Jahre am National Hospital for Neurology and Neurosurgery in London. Nach einer nächsten Feldforschung am Nordpol, gemeinsam mit Wissenschaftlern und Künstlern, entstand der Roman Solar (2010) mit der Figur des Physikers Michael Beard im Zentrum.

Zu seinem neuesten Roman Honig, der vor dem Hintergrund des Kalten Krieges angesiedelt ist und aus der Perspektive der weiblichen Protagonistin Serena Frome erzählt wird, meinte McEwan: "Dieser Roman eröffnete mir die Möglichkeit, eine Art verklausulierte Autobiographie zu schreiben."

Ian McEwan ist bekennender Atheist und beschäftigt sich intensiv mit der Frage nach den Auswirkungen der fundamentalistischen Positionen der unterschiedlichen Religionen. In der Zeit äußerte er sich in der Rubrik Ich habe einen Traum 2006 folgendermaßen: "Oft frage ich mich, ob eine Welt vorstellbar ist, die intellektuell reich und emotional befriedigend ist - und die ohne jede Religion auskommt. Es wäre eine Welt voller Demut vor der Heiligkeit des Lebens, der Natur und der Kunst, nur eben ohne den Respekt vor einem übernatürlichen Wesen. Die Religion steht im Zentrum der großen Konflikte unserer Zeit. Sie verleitet Menschen dazu, grausame Dinge zu tun. Immer wieder kidnappt Religion die Moral. Wie destruktiv die Annahme ist, es gäbe ein besseres Leben als dieses! Diese Idee hält Abermillionen in Armut lebende Menschen im Würgegriff. Menschen wenden sich besonders dem Glauben zu in Zeiten, in denen das Leben schwer ist und die Aussichten schlecht sind. Wer aber auf ein besseres Leben nach dem jetzigen hofft, verliert seine Hingabe an die eigene Existenz."

Ian McEwan ist in zweiter Ehe mit der Journalistin Annalena McAfee verheiratet und lebt in London. Mit seiner ersten Ehefrau Penny Allen hat er zwei Söhne.

Auszeichnungen (Auswahl):
1987: Whitbread Novel Award und 1993 Prix Femina Étranger für Ein Kind zur Zeit; 1989: Ehrendoktor der University of Sussex; 1993: Ehrendoktor der University of East Anglia; 1998: Booker Prize für den Roman Amsterdam; 1999: Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung für das Gesamtwerk; 1999: Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences; 2001/2002/2004: Booker Prize, National Book Critics; Circle Fiction Award, W.H. Smith Literary Award, Deutscher Bücherpreis, Santiago Prize for the European Novel für Abbitte; 2005: James Tait Black Memorial Prize für den Roman Saturday; 2010: Bollinger Everyman Wodehouse Prize für Solar; 2011: Jerusalem-Preis für die Freiheit des Individuums in der Gesellschaft

Werke:
Erste Liebe - letzte Riten (First Love, Last Rites, aus dem Englischen von Harry Rowohlt). Zürich: Diogenes, 1980.
Der Zementgarten (The Cement Garden, aus dem Englischen von Christian Enzensberger). Zürich: Diogenes, 1980.
The Imitation Game Drei Fernsehspiele, 1981.
Zwischen den Laken (In Between the Sheets, aus dem Englischen von Michael Walter, Wulf Teichmann und Christian Enzensberger). Zürich: Diogenes, 1982.
Der Trost von Fremden (The Comfort of Strangers, aus dem Englischen von Michael Walter). Zürich: Diogenes, 1983.
Oder müssen wir sterben? (Or Shall We Die?). Zürich: Diogenes, 1984.
Ein Kind zur Zeit (The Child in Time, aus dem Englischen von Otto Bayer). Zürich: Diogenes, 1988.
Unschuldige (The Innocent, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1990.
Schwarze Hunde (Black Dogs, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1994.
Der Tagträumer (The Daydreamer, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1995.
Liebeswahn (Enduring Love, aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1998.
Amsterdam (aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser). Zürich: Diogenes, 1999.
Psychopolis: Abschied aus L.A. (aus dem Englischen von Wulf Teichmann). Zürich: Diogenes, 2000.
Abbitte (Atonement, aus dem Englischen von Bernhard Robben). Zürich: Diogenes, 2002.
Saturday (aus dem Englischen von Bernhard Robben). Zürich: Diogenes, 2005.
Am Strand (On Chesil Beach, aus dem Englischen von Bernhard Robben). Zürich: Diogenes, 2007.
Solar (übersetzt von Werner Schmitz). Zürich: Diogenes, 2010
Honig (Sweet Tooth, übersetzt von Werner Schmitz). Zürich: Diogenes 2013

Libretti:
Oder müssen wir sterben? (Or Shall We Die?, dt. Text für ein Oratorium von Michael Berkeley). Zürich: Diogenes, 1984
For You: The Libretto For Michael Berkeley´s Opera; dt./engl. (For You: Libretto für eine Oper von Michael Berkeley). Zürich: Diogenes, 2009

Theaterstück:
The Imitation Game, 1981

Drehbücher:
Jack Flea´s Birthday Celebration, 1976
The Ploughman´s Lunch, 1985
Soursweet, nach einem Roman von Timothy Mo, 1989
The Good Son, 1993



Pressestimmen zu Literatur im Nebel 2013
Salzburger Nachrichten
Der Standard
ORF


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