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Viennale Heidenreichstein 2007


In dieser zutiefst berührenden und momenthaft verstörenden Dokumentation ist es der Tod selbst,
der sichtbar wird, das langsame Vergehen und Sterben des krebskranken, heroinsüchtigen Giuseppe Tommasi,
eines verrückten, weisen, humorvollen, leidenden, zutiefst menschlichen Wesens. Ohne einen Moment von Voyeurismus,
falscher Neugier oder Sentimentalität begleitet Sahebi seinen Freund durch die Krankheit, bis zum letzten Atemzug. Was er
aufzeichnet, sind die Gespräche, die Unvernunft, die Schönheit, der Kampf und die Versöhnung eines Menschen mit sich. Ein Film,
der das fast Unmögliche tut: einem Menschen zusehen und zuhören, den der Tod anblickt.


Im Mittelpunkt des Films stehen die Teenager Klara, Mina und Tanutscha aus Berlin-Kreuzberg.
Die drei kennen sich seit dem Kindergarten und sie verbinden viele Gemeinsamkeiten. S
ie sind 15 Jahre alt, beste Freundinnen und verbringen den Sommer im Prinzenbad, einem großen Freibad
inmitten ihres Stadtteils, ihrem "Prinzessinnenbad" Die drei fühlen sich "erwachsen",
behaupten von sich, die Kindheit schon lange hinter sich gelassen zu haben. "Prinzessinnenbad"
ist die wunderbare und einfühlsame Beschreibung eines alltäglichen Lebens, das voller Widersprüche,
Schwierigkeiten, Glück und verrückter Hoffnungen ist. Ein Film wie der Sommer im Schwimmbad inmitten einer großen Stadt.


Im Hinterhof eines Hauses im malischen Bamako findet eine außergewöhnliche Veranstaltung statt.
Hier, mitten in der Sahel-Zone, wird Gericht gehalten. Der Gegenstand des Prozesses: das Volk von Mali,
der Kontinent Afrika gegen die Weltbank. Natürlich ist das eine reine filmische Inszenierung im besten
Brecht'schen Sinne. Sissakos neueste Arbeit ist ein so großartiges, propagandistisches Lehrstück,
ein so intelligenter, politischer, begeisternder Film, wie er im gegenwärtigen Kino sehr, sehr selten geworden ist.
"Bamako" zählte zu den schönsten und relevantesten Arbeiten der gesamten VIENNALE 2006.


"Ich muss dir was sagen" ist die dokumentarische Langzeitbeobachtung des vierjährigen
Zwillingspaars Oskar und Leo. Oskar ist seit seiner Geburt gehörlos, Leo hörend. Die Kinder
wachsen jedoch gemeinsam mit einer Sprache auf, welche in der Stille ihre Entfaltung findet:
Gebärdensprache. Nguyen beobachtet die Kinder während eines Jahres aus nächster Nähe beim Heranwachsen und
Entdecken der Welt. Dabei geht der Film auch der Frage nach, was die Diagnose "gehörlos" für die hörenden Eltern Sandra und Stefan bedeutet.


Im kalten, winterlichen Turin begegnet der Universitätsprofessor Alberto Sajevo einer
jungen Frau. Er erkennt in ihr jene Attentäterin, die ihn vor zwölf Jahren bei einem
Terroranschlag mit einem Schuss schwer verletzt hat und dafür eine dreißigjährige Gefängnisstrafe
verbüßen muss. Lisa, die tagsüber in der Stadt arbeitet, abends aber ins Hochsicherheitsgefängnis zurückkehren muss,
erkennt ihr ehemaliges Opfer zunächst nicht. Sajevo jedoch ist davon besessen, ihr all jene Fragen zu stellen,
die sich in den zwölf Jahren in ihm aufgestaut haben. Vielleicht aber gibt es gar keine Antworten auf diese Fragen.


Der Film schildert Leben und Vermächtnis Simon Wiesenthals, des berühmten Nazijägers und
Humanisten, der im Jahr 2005 gestorben ist. Der gebürtige Ukrainer Wiesenthal, ein säkularer
Jude, der den Holocaust überlebte, aber in den KZs neunundachtzig Verwandte aus der eigenen und der
Familie seiner Frau verlor, widmete mehr als sechs Jahrzehnte seines Lebens der Verfolgung von Nazi-Kriegsverbrechen.
Der Film schildert Wiesenthals gesamtes Leben - die Kindheit in der Ukraine, seine Erfahrungen im
Holocaust, seine Jahre als Nazijäger. Er enthält Interviews mit langjährigen Mitstreitern Wiesenthals,
mit Regierungschefs aus aller Welt, mit Freunden und Familienmitgliedern wie auch eine Vielzahl bisher
unveröffentlichter Archivbilder und -filme. Wiesenthals einziges Kind, seine Tochter Pauline,
tritt auf und spricht erstmals über ihre Eltern und deren fast siebzig Jahre währende Beziehung.
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